Miss Gulag

Miss GULAG erzählt eindrucksvoll die Geschichten von drei jungen Frauen, die im sibirischen Gefangenenlager UF-91/9 eine mehrjährige Haftstrafe absitzen. Im Mittelpunkt steht eine jährlich stattfindende Lager-Modenschau, die die Gefangenen selbst veranstalten. „Eine Frau“, erklärt Natascha, die im Alter von siebzehn Jahren wegen Körperverletzung zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde, „sollte immer schön sein, nicht nur jenseits des Zauns.“ Schönheitswettbewerb und Modenschau dienen den Frauen als emotionaler Zufluchtsort und Kontrastprogramm zum Lageralltag, zugleich bedeutet die Teilnahme für sie aber auch Hafterleichterung und die Aussicht auf frühere Entlassung. Doch der Film zeigt auch das Russland, in das die Frauen entlassen werden, mit seinen politischen Verwerfungen und seinem Mangel an Arbeit, Chancen, Zukunft. So verbinden die Inhaftierten mit der ersehnten Freiheit gemischte Gefühle.

Maria Yatskova wurde 1976 in Moskau geboren und kam im Alter von fünf Jahren in die USA. Sie studiert in Belgien und Frankreich Journalistik, und in New York auf der „School for Social Research“
Film. Miss GULAG ist ihr Regiedebut und feierte auf der diesjährigen Berlinale seine Weltpremiere.

Die im Handel erhältliche Version wurde allerdings um 20 Minuten gekürzt,
vorwiegend Szenen die sich mit der innenpolitischen Lage in Russland befassen sollen.

Den Film selber konnte ich neulich im Kino schauen, aufgrund der gekürzten Version gab
es den passenden Kurzfilm Samagon im Vorprogramm,
Bilder und Eindrücke eines Dorfes im
Belarus in dem fast nur noch Frauen wohnen….

Samagon erzählt von der freundlichen und weisen Babuschka Vera, die die Heldin in diesem dokumentarischen Märchen ist. Sie lebt in einem abgelegenen 53-Seelen-Nest im Westen Weißrusslands. Wie fast alle Mütterchen im Dorf hat sie ihren Mann verloren und ist auf sich allein gestellt. Sie hält Gänse, backt Brot und brennt ihren eigenen Schnaps. Der Siebzigprozentige ist wohl nicht ganz unschuldig am frühen Tod der Männer im Dorf, doch hat auch eine legendäre Geschichte: Während des Zweiten Weltkriegs war Vera ein junges Mädchen. Schon damals beherrschte sie die Schnapsbrennerei. Als deutsche Soldaten in ihr Dorf kamen, machte Vera einen Handel mit den Deutschen: ihren Samagon gegen die Unversehrtheit des Dorfes. Beim Zubereiten des Samagon erzählt Vera heiter vom harten Leben auf dem Land. Gern erinnert sie sich daran, wie sie einst ihr Dorf rettete.